14.03.2026
Eine Frau und ein Mann, verbunden durch einen politisch sinnlosen Krieg, wie besessen davon, den anderen zu besiegen: Die Amazone Penthesilea und der Grieche Achilles. Als Heinrich von Kleist 1808 diesen antiken Mythos in ein Theaterstück verwandelte, kehrte er das grausame Ende der Geschichte um: Nicht Achilles erschlägt Penthesilea und verliebt sich anschließend in den Körper der Toten, sondern Penthesilea verliebt sich in Achilles, tötet ihn und zerfleischt seine Leiche.
Kleists Trauerspiel irritierte seine Zeitgenossen: Erotik und Aggression erscheinen austauschbar, Frauen kämpfen wie Männer, Jäger werden zur Beute und Penthesilea zum Tier. So stellten sich Kleists Zeitgenossen weder die Antike noch das Theater vor. Da half es auch nicht, dass die grausamsten Szenen nicht auf der Bühne gezeigt, sondern nur berichtet werden: Penthesilea wurde zu Lebzeiten des Autors nie aufgeführt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand das eigenwillige Werk Interesse und Verständnis.
Der französische Komponist Pascal Dusapin machte 2015 aus Kleists Trauerspiel eine Oper über Gewalt und Krieg, Trauma und Besessenheit — und die utopische Möglichkeit, all das in liebevoller Begegnung zu überwinden. In eindringlichen, aufs Wesentliche konzentrierten Szenen folgt die Musik den tiefsten Ängsten, Sehnsüchten und Aggressionen der beiden Hauptfiguren, dringt ins Innere der Körper vor und lässt uns gleichzeitig den äußeren Kampf verfolgen.
Nach ihrer umjubelten Hexe in Humperdincks Hänsel und Gretel Ende letzten Jahres ist die Mezzosopranistin Anthea Barać als neues Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover nun erstmals auch im Rahmen einer Neuproduktion am Haus zu erleben, und gestaltet in der von Stephan Zilias geleiteten Produktion die Partie der Oberpriesterin als religiöse und gesetzliche Autorität der Amazonen.
Besetzung
Katrin Wundsam, Penthesilea
Olga Jelínková, Prothoe
Peter Schöne, Achilles
Yannick Spanier, Odysseus
Anthea Barac, Oberpriesterin
Juhyeon Kim, Bote
Stephan Zilias, Musikalische Leitung
Lorenzo Fioroni, Isnzenierung
Sabine Blickenstorfer, Kostüme
Isabel Robson, Videodesign
Daniel Menne, Dramaturgie
Chor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Statisterie der Staatsoper Hannover
14. | 21. | 29. März
8. | 16. | 19. | 24. April
Hannover | Staatsoper
Dusapin: Penthesilea